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Phytotherapie

Was versteht man genau unter Phytotherapie? Hier ein paar Definitionen, auch von Behandlungsmethoden, die gerne mit der Phytotherapie verwechselt werden.

- Phytotherapie: Behandlung und Vorbeugung von Krankheiten durch Pflanzen, Pflanzenteile und deren Zubereitung. Pflanzliche Arzneimittel werden als Phytopharmaka oder Phytotherapeutika bezeichnet.

- Chinesische Kräutertherapie: Teilbereich der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). In China werden traditionell neben Pflanzen auch tierische und mineralische Bestandteile in die Rezepturen gemischt. In Europa werden jedoch fast ausschliesslich pflanzliche Mittel verwendet.

- TCM mit westlichen Pflanzen: Einheimischen Pflanzen werden Temperatur, Organbezug, Geschmack etc. zugeteilt und nach TCM-Kriterien angewendet. Dahinter steckt der Gedanke, dass hiesige Krankheiten auch am besten mit hiesigen Kräutern behandelt werden sollten. Diese Form der Phytotherapie ergänzt sich auch sehr gut mit anderen Bereichen der TCM wie Akupunktur.

- Homöopathie: Vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann begründete Therapieform. Sie beruht auf seiner 1796 veröffentlichten Lehre vom Ähnlichkeitsprinzip (Ähnliches durch Ähnliches heilen). Die Medikamente (meist Globuli) werden zwar aus einer Pflanzenlösung (der Urtinktur) hergestellt, jedoch so stark verdünnt (potenziert), dass die Ausgangsstoffe teilweise nicht mehr nachweisbar sind. Dies soll eine ‚Dynamisierung’ und Wirkungsverstärkung ermöglichen.

- Spagyrik: Begriff für den medizinischen Bereich der Alchemie, welcher von Paracelsus eingeführt wurde. Ausgangsmaterial für spagyrische Präparate können pflanzliche, mineralische und animalische Stoffe sein, die teilweise verdünnt werden.

- Bachblütentherapie: In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts vom britischen Arzt Edward Bach begründete Therapieform. Er stellte die These auf, dass die Ursache einer körperlichen Krankheit immer auf ein seelisches Ungleichgewicht zurückzuführen sei. Aus Blüten und Pflanzenteilen hergestellte, stark verdünnte Blütenessenzen sollen dieses Gleichgewicht wieder herstellen.

- Anthroposophische Medizin: Von Rudolf Steiner und Ita Wegman in den 1920er Jahren propagierter Ansatz. Mineralische, pflanzliche und tierische Präparate – teilweise hompöopathisch verdünnt – sollen Körper, Geist und Seele wieder ins Gleichgewicht bringen und so Beschwerden lindern und Krankheiten heilen. Bei der Suche nach der Heilkraft von Pflanzen stützten sie sich auf die sogenannte Signaturenlehre, nach welcher man von der äusseren Erscheinung einer Pflanze auf deren Heilwirkung schliessen kann.

Dies sind nur einige Therapieformen, die auf Heilpflanzen basieren. Obwohl die Präparate der Homöopathie, Spagyrik und Bachblütentherapie aus pflanzlichen Tinkturen hergestellt werden, werden sie nicht als Phytotherapeutika bezeichnet, da sie stark verdünnt sind und eine jeweils eigene Philosophie dahinter steht. Als Phytotherapeutikum wird nur bezeichnet, was nachweislich pharmakologisch wirksame pflanzliche Bestandteile enthält.

Die Phytotherapie ist wohl die älteste Heilmethode überhaupt. Jahrtausendelang hatten die Menschen nicht viele Möglichkeiten um Krankheiten und Verletzungen zu heilen. Heilkräuter waren für alle zugänglich und einfach anzuwenden. Schon in Gräbern, die um die 60000 Jahre alt sind, wurden Heilkräuter als Grabbeigabe gefunden.

Heilkräftigen Pflanzen haftete auch stets etwas Mystisches an, man vermutete Magie hinter der medizinischen Wirkung. So wurde im Mittelalter viel Wissen verschüttet, da heilkundige Frauen als Hexen denunziert und verbrannt wurden. Weil Frauen zu jener Zeit auch nur selten lesen und schreiben lernen durften, konnten sie ihr Wissen nicht aufzeichnen, sondern nur mündlich weitergeben. Die Schriften von Hildegard von Bingen (1098 – 1179) finden jedoch auch heute noch Beachtung. Selbst Paracelsus (1493 – 1541) verdankte viele Erkenntnisse den als Hexen verschrienen Kräuterfrauen, so dass doch noch einiges Wissen aufgezeichnet und so für die Nachwelt erhalten wurde.

Mit der Industrialisierung im 20. Jahrhundert kamen künstlich hergestellte Medikamente auf. Wirkstoffe aus Heilpflanzen wurden isoliert, synthetisiert und chemisch verändert. Aus der Weidenrinde (die als ‚Europäische Fieberrinde’ bekannt war) und einem ihrer Inhaltstoffe entstand so der Wirkstoff Acetylsalicylsäure, welcher unter dem Namen Aspirin als Schmerz- und Fiebermittel einen eigentlichen Siegeszug antrat.

Es gab jedoch auch zu jener Zeit Menschen wie den als Kräuterpfarrer bekannten Johann Künzli (1857 – 1945), welche die Tradition der Kräuterheilkunde pflegten und weiterentwickelten. Zur Zeit der beiden Weltkriege war diese für viele Menschen wohl auch eine einfach zugängliche und günstige Medizin.

Die Wissenschaft beschäftigt sich in neuerer Zeit wieder ausführlicher mit Pflanzen und ihrer Heilwirkung. Es werden Studien erstellt und Wirkmechanismen erforscht. Vieles ist in der Zwischenzeit wissenschaftlich belegt, vieles jedoch liegt noch im Dunkeln. Da Pflanzen aus einer Vielzahl von Wirkstoffen bestehen ist die Erforschung schwierig, Forschungsergebnisse zudem oft nicht in bare Münze umzuwandeln, da auf eine Pflanze (bisher zumindest) schlecht ein Patent gelöst werden kann.

Heute setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass Pflanzen Platz auch in der Schulmedizin haben, ja, dass die Pflanzenheilkunde durchaus als Mutter und Basis der modernen Medizin bezeichnet werden kann.

Pflanzen wirken in der Regel langsamer als synthetische Medikamente, haben aber – richtig dosiert - meist auch keine oder nur sehr milde Nebenwirkungen. Dies prädestiniert sie geradezu für die Behandlung chronischer Krankheiten sowie für die Vorbeugung von Krankheiten und Gesunderhaltung von Tier und Mensch.